Wasser weltweit · Stand: September 2026
Marrakesch · Marokko
Trinkwasser in Marrakesch – Herkunft, Versorger und Wasserwerte
Marrakesch liegt in einer trockenen Ebene am Fuß des Hohen Atlas. Die Stadt bezieht ihr Wasser deshalb zum größten Teil über lange Fernleitungen.
Woher kommt das Wasser?
Der größte Teil ist aufbereitetes Oberflächenwasser aus Stauseen – gestaute Flüsse, die meisten davon im Atlas oder an seinem Rand. Die älteste Hauptleitung ist der Canal de Rocade. Er ist 117 km lang und führt vom Staudamm Sidi Driss bis zur Aufbereitungsanlage von Marrakesch. Gespeist wird er aus dem Stausee Hassan I, der den Fluss Lakhdar in der Provinz Azilal staut. Südlich der Stadt stauen die Dämme Lalla Takerkoust und Yacoub El Mansour den Oued N'Fis am Rand des Hohen Atlas. Seit einigen Jahren kommt eine 115 km lange Transferleitung vom Stausee Al Massira hinzu; er liegt im Flachland am Fluss Oum Er-Rbia.
Nach Zahlen des staatlichen Wasserversorgers ONEE (2023) stammen jährlich rund 40 Mio. m³ aus dem Canal de Rocade, 17 Mio. m³ aus dem Stauseesystem Takerkoust und 85 Mio. m³ aus Al Massira. Ergänzt wird das durch Grundwasser aus dem Haouz-Aquifer, der unter Wasserknappheit leidet.
Wer ist der Versorger?
Seit dem 1. November 2024 ist die Société Régionale Multiservices Marrakech-Safi (SRM-MS) zuständig. Sie hat die früheren Verteiler RADEEMA (Marrakesch), RADEES (Safi) und das ONEE abgelöst. Der Vertrag läuft 30 Jahre; die Gesellschaft versorgt rund 4,9 Millionen Menschen in 251 Gemeinden.
Die Khettaras: Wasser ohne Pumpen
Lange vor Stauseen und Leitungen lebte Marrakesch von den Khettaras. Das sind unterirdische Stollen mit schwachem Gefälle, die Grundwasser allein durch die Schwerkraft zur Stadt führen. Die Almoraviden legten sie im 12. Jahrhundert erstmals in Marrakesch und im Haouz an. Senkrechte Schächte im Abstand weniger Meter markieren an der Oberfläche den Verlauf der Stollen, die das Wasser in 20 bis 50 m Tiefe fassen.
In den 1970er-Jahren gab es in Marrakesch noch rund 567 Khettaras, davon etwa 500 in Betrieb. Heute funktionieren nur noch zwei oder drei, mit sehr geringen Mengen.
Wie ist das Wasser?
Eine aktuelle, öffentlich zugängliche Gesamtanalyse der SRM-MS haben wir bisher nicht gefunden. Die ausführlichste frei verfügbare Untersuchung stammt von El-Fadeli et al. (2015). Sie umfasst 320 Proben aus vier Stadtgebieten, gesammelt über drei Jahre in nassen und trockenen Perioden.
Wichtig ist: Die Studie mischt Netzwasser mit aufbereitetem und unaufbereitetem Brunnenwasser. Ihre Ergebnisse beschreiben daher die Trinkwasserlage in den Vierteln, nicht das städtische Leitungsnetz allein.
| Gebiet | pH | Gesamthärte | Nitrat | Bewertung der Autoren |
|---|---|---|---|---|
| Chouiter | 7,49 | ≈ 7,7 °dH | 0 mg/l | gute Qualität |
| Medina | 7,45 | ≈ 18,6 °dH | 0,02 mg/l | mittlere Qualität |
| Azzouzia | 7,56 | ≈ 25,5 °dH | 8,88 mg/l | nicht normgerecht |
| Mrabtine | 7,41 | ≈ 43,3 °dH | 9,26 mg/l | nicht normgerecht |
In den Vierteln Medina und Chouiter entsprach das Wasser den nationalen Normen und den Vorgaben der WHO. In Azzouzia und Mrabtine waren Leitfähigkeit, Härte und Ammonium erhöht, in Mrabtine zusätzlich Chlorid und Nitrit.
Fazit: Es gibt nicht „das Wasser von Marrakesch“. Welches Wasser aus dem Hahn kommt, hängt davon ab, ob ein Haus am Netz hängt oder an einem Brunnen, und aus welchem Stausee das Netz gerade gespeist wird.
Fallbeispiel
Ein Fallbeispiel aus Marrakesch folgt in Kürze.